Was bedeutet die Rentenl├╝cke?

Als der CDU-Politiker Norbert Bl├╝m in den 90er Jahren das Amt des Bundesministers f├╝r Arbeit und Soziales innehatte, pr├Ągte er den ikonischen Satz: „Die Rente ist sicher!“. Etwa 25 Jahre sp├Ąter sieht die Realit├Ąt leider etwas anders aus. So sind nicht nur etwas mehr als die H├Ąlfte der Erwerbst├Ątigen Deutschen der Meinung, dass die staatliche Rente als Altersvorsorge alles andere als ausreichend ist. Viele wissen auch gar nicht, wie viel sie im Alter ├╝berhaupt erwartet. Da es im Bereich der Altersvorsorge alles andere als ratsam ist, die Augen vor der Realit├Ąt zu verschlie├čen, wollen wir in diesem Artikel einmal f├╝r Durchblick sorgen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die sogenannte Rentenl├╝cke. Sie ist es n├Ąmlich, die bei vielen Bauchschmerzen verursacht. Dabei verraten wir dir nicht nur, was die Rentenl├╝cke ├╝berhaupt ist. Wir zeigen dir au├čerdem auf, auf welchem Wege du sie effektiv schlie├čen kannst.

Crashkurs „deutsches Rentensystem“

Bevor wir zum Eingemachten kommen, m├╝ssen wir zun├Ąchst einmal Grundlagen kl├Ąren. Um sich das Problem der Rentenl├╝cke n├Ąmlich verdeutlichen zu k├Ânnen, ist das Verstehen des deutschen Rentensystems unerl├Ąsslich. Herzst├╝ck der gesetzlichen Rente ist das sogenannte „Umlageverfahren“. Dieses Prinzip beschreibt nichts anderes als dass Arbeitnehmer ihren Rentenanspruch f├╝r sp├Ąter durch das Einzahlen in die Rentenkasse der deutschen Rentenversicherung begr├╝nden. Dabei landet das Geld eines jeden Einzahlenden nat├╝rlich nicht auf einem individuellen Konto und wird kurzerhand mit Renteneintritt ausgezahlt. Dies w├Ąre angesichts von Faktoren wie Inflation schlichtweg unfair.

Vielmehr sammelt man Entgeltpunkte, die bestimmen wie hoch die Rente schlussendlich ist. Das Geld, welches die Erwerbst├Ątigen in den „Rentenpott“ einzahlen, flie├čt an die jetzigen Rentner. Sind gegenw├Ąrtige Erwerbst├Ątige dann ihrerseits im Rentenalter, erhalten sie wiederum das Geld der nachfolgenden Generation. Klingt in der Theorie nach einem genialen Konzept – w├Ąre da nur nicht der demographische Wandel. Dieser sorgt n├Ąmlich langsam aber sicher daf├╝r, dass das deutsche Rentensystem instabil wird. Da die deutsche Bev├Âlkerung aufgrund der besser werdenden medizinischen Versorgung im Durchschnitt immer ├Ąlter wird, steigt die Zahl der Rentner auch Jahr f├╝r Jahr.

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Rentenl├╝cke ist unausweichlich

Demgegen├╝ber steht ein stagnierender Bev├Âlkerungsteil an jungen Erwerbst├Ątigen, die die Kassen f├╝r die aktiven Rentner f├╝llen m├╝ssen. Folglich handelt es sich um ein immer st├Ąrker werdendes Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Rentennehmern. Sollte der Staat am Rentensystem nichts Grundlegendes ver├Ąndern, steht es ├╝ber kurz oder lang wohl vor dem Kollaps. Doch, ob Mechanismen wie die Erh├Âhung des Rentenalters oder -beitrages am Grundproblem etwas ├Ąndern kann, ist fraglich. Nun musst du nat├╝rlich nicht den Kopf in den Sand stecken. Viel wichtiger ist es, sich dem Problem zu stellen und Alternativen f├╝r die Altersvorsorge zu finden. Dabei ist Schritt Nummer Eins: Die eigene Rentenl├╝cke vor Augen f├╝hren.

Die Rentenl├╝cke ist mittlerweile ein befl├╝gelter Begriff. Doch obwohl ihn viele Menschen im Alltag verwenden, wissen einige gar nicht, was ├╝berhaupt dahinter steckt. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei der Rentenl├╝cke um eine Versorgungsl├╝cke, die dich mit Eintritt ins Rentenalter ereilt, wenn du nur die staatliche Renten der deutschen Rentenversicherung beziehst. Als Vergleichsobjekt dient dabei der Lebensstandard, den du w├Ąhrend deiner aktiven Arbeitszeit hast. Dabei ist die Rentenl├╝cke kein Ausnahmeproblem. Jeder Rentner ist hiervon betroffen. Selbst Personen, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, werden im wohl verdienten Ruhestand deutlich weniger Geld zur Verf├╝gung haben als w├Ąhrend der aktiven Arbeitszeit.

Und eben jene L├╝cke zwischen letztem Bruttogehalt und schlussendlicher Rentenzahlung gilt es zu schlie├čen. Obwohl das alles ganz einfach klingt, scheinen viele Deutsche lieber im hier und jetzt zu leben, als sich Gedanken um den Ruhestand zu machen. So hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ermitteln k├Ânnen, dass ├╝ber ein Drittel der Deutschen nicht ├╝ber seine sp├Ątere Rentenh├Âhe bescheid wei├č. Wenn man sich nicht einmal die sp├Ątere Rentenh├Âhe vor Augen f├╝hrt, f├Ąllt nat├╝rlich auch die Ermittlung der eigenen Rentenl├╝cke schwer. Damit es dir nicht so geht, haben wir dir ein paar einfache Eckpfeiler zusammengestellt anhand derer du deine Rentenl├╝cke bestimmen kannst.

Kenne deine Rentenl├╝cke

Als aller erstes solltest du deine ungef├Ąhre sp├Ątere gesetzliche Rente ermitteln. Nat├╝rlich ist es schwer, hier in die Glaskugel zu schauen. Schlie├člich erwarten einen im jungen Alter sicherlich noch die eine oder andere Gehaltserh├Âhung. Da es aber im Bereich der Vorsorge ohnehin besser ist, tief zu stapeln, legst du einfach den gegenw├Ąrtigen Wert zugrunde. Diesen kannst du ganz einfach bei der Deutschen Rentenversicherung anfragen. In einem entsprechenden Schreiben teilt diese dir unter anderem mit, wie hoch deine Rente bei gleichbleibenden Beitr├Ągen ungef├Ąhr ausfallen wird. Hierf├╝r musst du allerdings 27 Jahre Mindestalter vorweisen k├Ânnen und mindestens 60 Monate in die Rentenkasse eingezahlt haben.

Hast du festgestellt, wie hoch deine Rente ungef├Ąhr sein wird, solltest du dir die Frage stellen, wie viel Geld du wohl im Alter zur Verf├╝gung haben m├Âchtest. Wer seinen Lebensstandard aufrecht erhalten m├Âchte, sollte sich dabei am gegenw├Ąrtigen Bruttogehalt orientieren. Die Differenz zwischen dem gegenw├Ąrtigen Gehalt und der voraussichtlichen Rente ist die Versorgungs- bzw. Rentenl├╝cke, die du in deinen ├ťberlegungen zugrunde legen solltest. Wer also eine voraussichtliche staatliche Rente von beispielsweise 1.300 Euro erhalten soll und gegenw├Ąrtig einen Bruttolohn von 3.000 Euro vorweisen kann, hat eine Rentenl├╝cke von 1.700 Euro.

Dieser Weg, deine Rentenl├╝cke zu ermitteln, ist wohl der sicherste. Allerdings solltest du dir vergegenw├Ąrtigen, dass man im Alter h├Ąufig nicht so viel Geld ben├Âtigt, wie w├Ąhrend des aktiven Arbeitslebens. Finanzexperten sprechen davon, dass man mindestens 80 Prozent des Lohns auch in Form der Rente erhalten sollte. Wer es genauer wissen m├Âchte, kann sich seine allt├Ąglichen Ausgaben mithilfe eines Haushaltsbuches vor Augen f├╝hren. Am besten wertest du dieses nach einigen Monaten aus, um wirklich zu sehen wie viel Geld du f├╝r dein Leben ben├Âtigst.

Rechne auch mit Unvorhersehbarem

Feststeht, dass du die Berechnung nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest und auch Unvorhersehbares mit einbeziehen solltest. Leider verl├Ąuft das Leben n├Ąmlich nicht immer nach Plan. Umso wichtiger ist es, dass du dir bei der Berechnung deiner Rentenl├╝cke auch einen guten Puffer einbaust. Beispielsweise Krankheiten oder gar der Tod eines Partners k├Ânnen zu knapp berechnete Budgets n├Ąmlich schnell zur Ursache f├╝r die gef├╝rchtete Altersarmut werden lassen. Wie du siehst, ist die Rentenl├╝cke etwas sehr Individuelles. Dies liegt nicht nur an der jeweiligen Rentenh├Âhe.

Auch verschiedene Lebensstile und allt├Ągliche Ausgaben haben Einfluss auf die sp├Ąteren Lebenshaltungskosten. Wichtig ist, dass sich jeder der Rentenl├╝cke vergegenw├Ąrtigt, mit der sp├Ąter auch zu rechnen ist. Unvorhersehbar sind nicht nur Lebensl├Ąufe. Noch viel weniger Einfluss haben wir auf wirtschaftliche Entwicklungen. Insbesondere die Inflation spielt bei der Entwicklung der Rente eine wichtige Rolle. Was heute nach einer hohen Rente klingen mag, kann in 30 Jahren Peanuts entsprechen. Mittlerweile findest du im Internet unterschiedliche Inflationsrechner, mit deren Hilfe du auch diesen Punkt einbeziehen kannst.

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Rentenl├╝cke schlie├čen

Hast du dir deine voraussichtliche Rentenl├╝cke vor Augen gef├╝hrt, gilt es, das Problem anzugehen. Das Stichwort hier ist private Altersvorsorge. Mithilfe eines eigenen Sparplans kannst du n├Ąmlich die Rentenl├╝cke am besten schlie├čen. Es gibt unterschiedliche M├Âglichkeiten, wie du f├╝r dein Alter vorsorgen kannst. So lohnt es sich beispielsweise, in eine Immobilie zu investieren. Wer diese bis zum Renteneintritt abbezahlt hat, muss sich um hohe Mieten keine Gedanken machen. Das dr├╝ckt die Lebenshaltungskosten ungemein und schm├Ąlert die Rentenl├╝cke damit nat├╝rlich deutlich. Obendrein ist ein ETF-Sparplan empfehlenswert. Dieser erm├Âglicht dir eine sichere private Altersvorsorge. Am besten f├╝hrst du dir vor Augen, wie viel Geld du monatlich von deinem Gehalt entbehren kannst.

Dieses f├╝hrst du in deinen pers├Ânlichen ETF-Sparplan ab. F├╝r „Neulinge“, die kein Verlustrisiko eingehen wollen eignen sich breit gestreute ETFs wie Beispielswiese der MSCI World. Dieser umfasst Aktien von insgesamt 1.600 global t├Ątigen Unternehmen. Selbst, wenn du in jungen Jahren nicht allzu viel Geld zur Verf├╝gung hast, solltest du dies tun. Denn hier hei├čt das Credo: Je fr├╝her, desto besser! Schlie├člich profitierst du bei einer langen Laufzeit vom Zinseszins. Wie du siehst, muss man vor der Rentenl├╝cke keine Angst haben. Vielmehr sollte man sie als Herausforderung sehen, der man sich einfach stellen muss. Hast du die entsprechenden Vorkehrungen getroffen, um die Rentenl├╝cke zu schlie├čen, kannst du deinem zweiten Fr├╝hling entspannt entgegen blicken.

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